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Investieren: wann ist die richtige Zeit dafür?

Du möchtest gern Geld investieren? Dann fang am besten sofort damit an, denn zum Investieren ist es immer die richtige Zeit. Na ja, zumindest fast immer. Hier sind noch ein paar Tipps für Dich, falls Du noch nicht weißt, wie Du mit dem Investieren anfangen möchtest.

Was ist “Investieren” eigentlich?

Im Gegensatz zum Sparen (kein Geld ausgeben beziehungsweise Geld ansammeln) wird Investieren zumeist als kompliziert angesehen. Ist es aber nicht. Kurz gesagt ist Investieren, Geld langfristig anlegen, mit der Aussicht auf eine angemessene Rendite. Eine hohe Rendite (= viel Gewinn) wäre natürlich toll, ist aber auch mit einem höheren Risiko verbunden. Dazu erfährst Du später mehr.

“Kurz” investieren ist ein Widerspruch in sich. Der richtige Name dafür wäre “Spekulieren”. Doch davon soll hier nicht die Rede sein. Investieren ist eine langfristige Angelegenheit, die dem Geld vermehren dient. Möchtest Du mehr darüber wissen, dann lies meinen Artikel “Sparen und Investieren: was ist der Unterschied?” Dort gehe ich genauer darauf ein.

Wann sollte ich mit dem Investieren beginnen?

So bald wie möglich! Das heißt aber nicht unbedingt sofort. Denn bevor Du langfristig Geld anlegst, solltest Du Deinen Notgroschen angespart haben. Drei bis sechs Monatsgehälter gehören auf ein Konto, das jederzeit zugänglich ist. In der Regel sind Tagesgeldkonten dafür am besten geeignet. Warum?

  • Auf Dein Girokonto gehört nur Geld für die Fixkosten und den Lebensunterhalt. Dort “gespartes” Geld wird zumeist viel zu schnell ausgegeben.
  • Das traditionelle Sparbuch bringt selten mehr Zinsen als ein Tagesgeldkonto, aber das Geld ist nicht “täglich verfügbar”, wie es im Bankenjargon so schön heißt. “3?” lassen grüßen? Von einem Sparbuch mit gesetzlicher Kündigungsfrist darfst Du im Monat “nur” 2000 Euro abheben (sofern Du so viel angespart hast). Brauchst Du mehr Geld auf einen Schlag, zum Beispiel für ein neues Auto, dann musst Du entweder die Kündigungsfrist von drei Monaten einhalten oder Strafzinsen zahlen.
  • Aktienfonds und ETF sind zwar ebenfalls täglich verfügbar, aber die Auszahlung dauert in der Regel ein paar Tage. Du bekommst Dein Geld also nicht sofort zurück. Außerdem schwanken die Kurse der Fonds. So kann es passieren, dass der Kurs im Keller ist und Du deutliche Verluste einstecken musst, wenn Du Dein Geld zu einem bestimmten Zeitpunkt benötigst. Das neue Auto kann vielleicht so lange warten, die Reparatur der Waschmaschine oder auch die Autowerkstatt wohl eher nicht.

Dein Notgroschen ist angespart und gut geparkt? Na dann auf ins Abenteuer Investieren, die richtige Zeit ist gekommen!

Erste Schritte in Sachen Investieren

Also schnell Depot eröffnen und Aktien kaufen? Stopp, ganz so schnell geht es dann doch nicht! Bevor Du mit dem aktiven Investieren beginnst, solltest Du Dich erst einmal schlaumachen: Welche Möglichkeiten zum Investieren gibt es eigentlich und welche davon passen zu Dir? Die Entscheidung kann Dir niemand abnehmen und die Verantwortung auch nicht. Aber keine Angst, Investieren ist auch keine Wissenschaft. Außerdem reicht es für den Anfang aus, wenn Du die Grundlagen verstehst. Hier sind ein paar Tipps für Dich:

  • Sieh Dich einmal bei test.de um. Die Stiftung Warentest informiert seriös und unabhängig auch über verschiedene Investitionsmöglichkeiten und Geldanlagen, wie Fonds und ETF. Von einzelnen Aktien solltest Du als Anfänger besser die Finger lassen, darum kannst Du Dich später kümmern.
  • Lies ein Finanzbuch, am besten eins für Einsteiger. Empfehlen kann ich “Geldanlage für Anfänger” von Finanztest oder “Finanzwegweiser für (Berufs-)Einsteiger” von mir. [Ein Kauf mit Klick auf die Titel macht die Bücher für Dich nicht teurer, aber ich bekomme eine kleine Provision.] Du bekommst dort einen recht guten Überblick ohne Fachchinesisch. Dann weißt Du, wovon beim Investieren die Rede ist und bist fähig, eigene Entscheidungen zu treffen.
  • Schau Dich auf einem seriösen (!) Finanzblog um. Dort findest Du aktuelle Themen und Empfehlungen zur Geldanlage. Lesenswert finde ich Madame Moneypennys Blog. Er ist zwar vor allem für Frauen geschrieben, aber ich bin mir sicher, dass auch Männer dort noch etwas lernen können.
  • Denkst Du über den Kauf einer Immobilie oder eine andere größere Anschaffung nach? Dann solltest Du Dich besonders gut über Investitionsmöglichkeiten informieren. Aktienfonds und ETF machen nur Sinn, wenn Du das angelegte Geld in den nächsten (fünf bis zehn) Jahren nicht benötigst und eventuelle Kurseinbrüche “aussitzen” kannst (= warten, bis die Kurse wieder steigen).

Investieren für Anfänger

Zu Beginn sollten Anleger in breit streuende ETF investieren. Hast Du Deine Hausaufgaben gemacht? Dann weißt Du ja, wovon ich jetzt rede. Wenn nicht, dann hole das bitte nach, bevor Du mit dem Investieren beginnst!

Kleiner Exkurs: Ein ETF (Exchange Traded Fund) ist ein Indexfonds, der an der Börse gehandelt wird. Er bildet also einen Index wie den DAX nach. Akteinfonds werden dagegen von einem Fondsmanager verwaltet, der Aktien “nach Lust und Laune” kauft und verkauft – oder besser (s)einer Strategie folgt.

Wichtiger, als die Entscheidung für einen speziellen ETF, ist die Wahl des richtigen “Marktes”. Ein ETF auf den Weltindex MSCI World unterliegt geringeren Schwankungen als einer auf den DAX (weil der Markt einfach größer ist, aber das weißt Du ja inzwischen). Hast Du Deinen Markt/Index gefunden, dann suche Dir einen ETF, der als Sparplan angeboten wird. Das geht oft schon mit 25 Euro pro Monat, je nach Sparplan-Anbieter.

Spare mit einem ETF-Sparplan regelmäßig eine kleine Summe, dann gelingt Dir Dein Vermögensaufbau ganz “nebenbei”. Nachdem Du den Sparplan eingerichtet hast, siehst Du Dir ab und zu mal Deinen Depotauszug an und entscheidest, ob Du einfach so weitermachst, Deine Strategie und den ETF änderst oder den Sparbetrag aufstocken willst.

Sicher mit Bauernregel

Eine alte Bauernregel besagt, dass Du nicht alle Eier in einen Korb legen sollst. Fällt Dein Korb runter, sind alle Eier futsch (kaputt). Beim Investieren heißt das, nicht alles Geld in ein Investment zu stecken. Ist das Investment nix mehr wert, dann ist Dein ganzes Geld futsch.

Ein ETF beinhaltet ja sowieso schon eine mehr oder weniger große Anzahl an Aktien, Deine Eier sind daher schon recht gut verteilt. Trotzdem solltest Du weiter “diversifizieren” (in unterschiedliche Geldanlagen investieren). Zu Beginn reicht es, einen oder zwei ETF zu wählen und einen gewissen Anteil Deines Vermögens in Festgeld zu stecken. Ich sehe schon die Fragezeichen in Deinem Gesicht:

Festgeld bei hoher Inflationsrate?

Ja, genau. Dein Notgroschen bleibt auf dem Tagesgeldkonto, auch wenn die Inflation es dort langsam “auffrisst”. Mit Deinem ETF-Sparplan baust Du Dir langsam aber sicher ein Vermögen auf. Um die möglicherweise heftigen Kursschwankungen ein wenig abzumildern, brauchst Du noch eine “sichere” Geldanlage, also eine, die keinen Schwankungen unterliegt: Zinsprodukte ohne Verlustrisiko = Festgeld. Durch die Einlagensicherung ist es bei einer Bankenpleite vor Verlust geschützt (in Deutschland bis zu einer Höchstgrenze von 100000 Euro).

Im Idealfall bekommst Du für Dein Festgeld einen höheren Zinssatz als die Inflationsrate. Andernfalls verliert auch diese Geldanlage an Wert. Das ist natürlich nicht schön, mindert aber trotzdem das Risiko starker Kursverluste. Der Betrag auf Deinem Konto wird nicht kleiner, sondern wächst langsam aber sicher an.

Da Festgeld eine mehr oder weniger große Anlagesumme erfordert (= Mindestanlage, je nach Bank unterschiedlich hoch), solltest Du diesen Betrag zuerst auf einem Tagesgeldkonto ansparen. Hast Du den gewünschten Anlagebetrag erreicht, “schichtest” Du ihn um. Du zahlst ihn also auf ein Festgeldkonto ein. Den Anlagezeitraum kannst Du zwischen drei Monaten und zehn Jahren wählen. Orientiere Dich dabei an den angebotenen Zinsen und der Zeit, während der Du das Geld nicht brauchst oder anderweitig anlegen möchtest.

Eignen sich nicht auch hoch verzinste Anleihen?

Nein, auf gar keinen Fall! Jedenfalls nicht für Anfänger in Sachen Geldanlage. Warum? Je höher die Zinsen, desto höher das Risiko für einen (Total-)Verlust! Ein Unternehmen (oder auch eine Regierung) zahlt immer nur so viele Zinsen, wie nötig sind, um einen Kredit zu bekommen.

Wer zu einem niedrigen Zinssatz keine Geldgeber findet, der muss eben mehr zahlen. Warum? Weil vermutet wird, dass er den Kredit vielleicht nicht zurückzahlen kann. Das lässt sich der Kreditgeber mit höheren Zinsen bezahlen, so nach dem Motto: Wenn ich schon das Risiko eingehe, mein Geld an Ende nicht zurückzubekommen, dann will ich wenigstens in der Zwischenzeit ordentlich abkassieren.

Aber bei einer Bankanleihe springt doch die Einlagensicherung ein, oder nicht? Nein, denn bei einer Bankanleihe gibst Du der Bank einen Kredit, das ist keine Einlage! Wie schnell das schiefgehen kann, hat ja die Lehman-Pleite gezeigt. Kannst Du Dich noch daran erinnern?

Also: Finger weg von Anleihen! Das Gleiche gilt übrigens für das Crowdfunding, mit dem mehr oder weniger erfolgversprechende Projekte oder Start-ups finanziert werden. Hier sollte ein Totalverlust immer einkalkuliert werden. Womit wir wieder beim Thema “Spekulation” wären.

Wie werde ich schnell reich?

Wenn Du viel erbst oder im Lotto gewinnst! Investieren macht nicht schnell reich, sondern führt im Idealfall zu einem stetigen Vermögenswachstum. Wohl gemerkt: im Idealfall! Tatsächlich musst Du damit rechnen, dass die Kurse Deiner Investitionen sinken, Dein Vermögen also schrumpft, statt zu wachsen. Das wird aller Voraussicht nach zwar immer mal wieder, aber nicht dauerhaft passieren.

Im Klartext heißt das: Kursschwankungen sind die Regel und nicht die Ausnahme. Schwankungen gehen mal in die eine Richtung und dann wieder in die andere – also mal rauf und mal runter. Die Tendenz ist auf dem Aktienmarkt jedoch aufwärts gerichtet. Die Abschwünge sind kleiner als die anschließenden Kurssteigerungen. Du musst nur geduldig warten, bis Deine Investitionen wieder im Plus sind.

So, das war eine Menge Information, oder? Lass sie sacken, denk darüber nach und stell Deine Fragen in den Kommentaren.

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